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KROATIENS WEG VON EUROPA NACH EUROPA      (05.01.2014)

Ein Abriss der kroatischen Geschichte von 1918 bis 2013

Von Gojko Bori─ç

Am 1. Juli 2013 wurde Kroatien Mitglied der Europ├Ąischen Union, der richtige Zeitpunkt noch einmal daran zu erinnern, dass dieses Land und seine Bewohner bereits seit dem siebten Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts - genauer, bis 1918 - staatsrechtlich zum mitteleurop├Ąischen und mediterranen Zivilisations- und Kulturkreis geh├Ârte. Allerdings war es mit seiner Stellung als eigenst├Ąndige Nation nicht immer zufrieden, insbesondere nicht als Teil gr├Â├čerer Staatsgebilde.

Der sp├Ątere Eintritt in einen s├╝dslawischen Staat, sowohl den k├Âniglicher als auch den kommunistischer Pr├Ągung, vergr├Â├čerte diese Unzufriedenheit.

 

Alle Versuche, die ├ľsterreichisch-Ungarische Monarchie im Sinne des Trialismus, also der Umwandlung in einen deutschen, einen ungarischen und einen slawischen Teil, zu reformieren, scheiterten an der Ablehnung durch Ungarn, das seine beherrschende Stellung in den slawischen L├Ąndern nicht verlieren wollte. Sowohl die kroatischen Politiker als auch viele Intellektuelle glaubten, sich mit den Serben leichter verst├Ąndigen zu k├Ânnen als mit den vermeintlich "fremden" Ungarn und ├ľsterreichern. Das erwies sich als Illusion.

Belgrad hielt in seiner Politik zwei L├Âsungen der s├╝dslawischen Frage bereit: eine gro├čserbische und eine gesamtjugoslawische. Das gro├čserbische Projekt sah zun├Ąchst den Zusammenschluss aller so genannten "serbischen L├Ąnder" vor. Dazu geh├Ârten Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina sowie Teile Kroatiens (S├╝ddalmatien und Slawonien). Das Schicksal der ├╝brigen Teile Kroatiens interessierte Belgrad nicht. Gegen derartige Aussichten liefen die kroatischen Exilpolitiker Sturm. Am Ende des Ersten Weltkriegs siegte schlie├člich doch die jugoslawische Gesamtl├Âsung.

Nach dem Versailler-Vertrag verloren die Kroaten das ├╝berwiegend von ihnen bewohnte Istrien, die Hafenstadt Rijeka, die dalmatinische Hauptstadt Zadar sowie drei Adriainseln an Italien. Ohne Zustimmung des kroatischen Parlaments und ohne Volksabstimmung wurde unter der Dynastie Kara─Ĺor─Ĺevi─ç das K├Ânigreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegr├╝ndet.

Das erste Jugoslawien wurde ein zentralistischer Staat unter serbischer Vorherrschaft. Im gemeinsamen Parlament kam es zu schwerwiegenden serbisch-kroatischen Auseinandersetzungen. Nach der administrativen Teilung des Landes erhielten die Kroaten nur zwei von neun Banschaften, eine ging an Slowenien und sechs beherrschten unrechtm├Ą├čig die Serben. S├Ąmtliche Gesetze wurden gegen den Willen der st├Ąrksten kroatischen Partei, der Bauernpartei, durchgesetzt. Wirtschaftlich wurden die Kroaten ausgebeutet. Die einstige s├╝dslawische Geldmetropole Zagreb verlor diese Position zugunsten Belgrads. In der Armee und Staatsverwaltung spielten die Kroaten eine untergeordnete Rolle. Erst da wurde offensichtlich, dass die Kroaten unter den Habsburgern mehr Rechte besa├čen als in dem "ertr├Ąumten" Jugoslawien.


Ein serbischer Abgeordneter t├Âtete 1928 im jugoslawischen Parlament den F├╝hrer der Kroatischen Bauernpartei, Stjepan Radi─ç und drei weitere Abgeordnete. 1929 proklamierte K├Ânig Aleksandar eine Diktatur; das K├Ânigreich der Serben, Kroaten und Slowenen wurde in K├Ânigreich Jugoslawien umbenannt. Alle Parteien wurden verboten einschlie├člich aller nationalen Symbole, wie Fahnen und Wappen, mit Ausnahme der serbischen, die zugleich Symbole der Serbisch-orthodoxen Kirche waren. Jugoslawien wurde in einen "Einheitsstaat" verwandelt unter dem Motto: "Ein Volk, ein Staat, ein K├Ânig" (und das ein Jahrzehnt vor Hitlers ├Ąhnlicher Parole). Der F├╝hrer der kroatischen Nationalisten, Dr. Ante Paveli─ç, floh ins Ausland und gr├╝ndete die "Kroatische Revolution├Ąre Bewegung - die Ustascha" (Ustascha bedeutet "Aufst├Ąndische"), die als Mittel zur Befreiung des Landes auch Gewalt bef├╝rworteten.

Die kroatische nationale Frage im K├Ânigreich Jugoslawien


Angesicht der "deutschen Gefahr" durch den "Anschluss" ├ľsterreichs verst├Ąndigten sich die kroatischen und serbischen Politiker auf die Gr├╝ndung einer autonomen "Banschaft Kroatien", zu der die kroatischen L├Ąnder sowie Teile Bosnien-Herzegowinas geh├Ârten. Diese Entscheidung kam jedoch zu sp├Ąt. Eigentlich wollte Hitler-Deutschland Jugoslawien nicht angreifen, da es dem deutschen "Drang nach Osten" nicht im Wege stand. Belgrad hatte sich sogar dem "Dreim├Ąchte-Pakt" angeschlossen. Kurze Zeit darauf putschten serbische Offiziere mit Hilfe britischer Geheimagenten und st├╝rzten die damalige jugoslawische Regierung.

Deutschland griff Jugoslawien an und besiegte seine Armee in etwa zwei Wochen. Keiner der Betroffenen wollte f├╝r Jugoslawien k├Ąmpfen. Die Achsenm├Ąchte teilten Jugoslawien auf: Slowenien wurde zu Teilen jeweils von Deutschland und Italien einverleibt, Mazedonien ging an Bulgarien, Montenegro erhielt einen halbautonomen Status, das Kosovo wurde ein Teil Gro├čalbaniens, Ungarn beanspruchte die Vojvodina f├╝r sich, und Serbien schlie├člich wurde unter deutsche Verwaltung gestellt.

Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurden vereint in einem damals so genannten Unabh├Ąngigen Staat Kroatien unter F├╝hrung der nationalistischen "Ustascha-Bewegung" mit Ante Paveli─ç als Staatsoberhaupt. Gro├če Teile der Kroaten begr├╝├čten diese Eigenstaatlichkeit zun├Ąchst, wurden aber schon bald bitter entt├Ąuscht. Angesichts vieler italienischer Niederlagen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wollte Mussolini zumindest einen "Sieg" f├╝r sich verbuchen und verlangte von Ante Paveli─ç mehr als die H├Ąlfte Dalmatiens einschlie├člich fast aller Adria-Inseln. Mit Erfolg. Dazu ist eine Bemerkung des damaligen italienischen K├Ânigs Victor Emmanuel II. ├╝berliefert, der zu Mussolini sagte: "Sie haben Dalmatien bekommen, aber Kroatien verloren."

Aufst├Ąnde gegen Deutsche, Italiener und ihre einheimischen Verb├╝ndeten

Durch diese Amputation begann die Erosion des Paveli─ç-Regimes. Die Ustascha-Bewegung lie├č keinerlei Konzepte erkennen, was mit der gro├čen serbischen Minderheit geschehen sollte. Schon bald versteckten sich serbische Aufst├Ąndische in W├Ąldern, aus denen sie den kroatischen Staat bek├Ąmpften. Die Ustascha reagierten darauf mit brutaler Gewalt. Die Kommunisten verharrten in Wartestellung. Erst als Hitler die Sowjetunion angriff, riefen die jugoslawischen Kommunisten zum Aufstand auf. Im damaligen Kroatien entbrannte ein vielschichtiger Alle-gegen-Alle-Krieg. Die Ustascha verfolgten eine von Deutschland "inspirierte" Politik der erbarmungslosen Bek├Ąmpfung der Juden, Roma, Serben und antifaschistischer Kroaten. Im Lager Jasenovac kamen dabei Tausende Menschen ums Leben. Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Es gibt Anzeichen daf├╝r, dass dieses Lager nach dem Zweiten Weltkrieg auch von den Kommunisten f├╝r die Inhaftierung ihrer Gegner genutzt wurde.


Die Kommunisten entwickelten eine raffinierte Propaganda: Sie gaben ihrem Kampf einen antifaschistischen Anstrich und hielten ihre Ziele nach einer Macht├╝bernahme geheim. Stattdessen feierten sie den Panslawismus und entfachten eine antideutsche und antiitalienische Pogromstimmung. Anfangs wurde die Partisanenbewegung in Kroatien stark von Serben bestimmt, doch bereits von 1942 an stie├čen immer mehr Kroaten zu den antifaschistischen K├Ąmpfern. Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 war allen klar, dass Hitlers Deutschland den Krieg verlieren w├╝rde.

Der Sieg der Kommunisten in Kroatien und Jugoslawien

Bald erfreute Tito sich auch der britischen Unterst├╝tzung, nachdem Ministerpr├Ąsident Churchill offen seine Meinung kundtat, er werde in Jugoslawien diejenige Bewegung unterst├╝tzen, welche die "meisten Deutschen umbringt". Und das waren die Partisanen Titos und nicht die serbischen Tschetniks. Diese machten gr├Â├čtenteils mit den Italienern und Deutschen gemeinsame Sache. Am Ende des Krieges blieben die Partisanen die konkurrenzlosen Sieger. Es setzte eine allgemeine Flucht all derjenigen ein, die mit Deutschland zusammen arbeiteten. Etwa eine halbe Million Volksdeutscher fl├╝chtete oder wurde vertrieben, viele von ihnen wurden ermordet. Die kroatischen, serbischen und slowenischen Nationalisten, darunter viele Zivilisten, Frauen und Kinder, suchten Schutz in ├ľsterreich und wurden im Mai 1945 von den Briten an die Armee Titos ausgeliefert. Vom ├Âsterreichischen Bleiburg bis tief ins Innere Jugoslawiens wurden auf diesem so genannten Kreuzweg etwa 80 bis 100 Tausend Menschen von den Partisanen ermordet. Dieses Verbrechen des jugoslawischen Antifaschismus kommunistischer Pr├Ągung ist bis heute unges├╝hnt geblieben.

Das kommunistische Jugoslawien als sowjetischer Satellit

Ihr wahres Gesicht zeigten die jugoslawischen Kommunisten erst zu Beginn des Friedens, als Jugoslawien zu einer Art Mini-Sowjetunion wurde. Was die sowjetischen Bolschewiken in der Zeitspanne von der Oktober-Revolution bis zu Hitlers Angriff vorgemacht hatten, wiederholten nun die Kommunisten Titos, die Mustersch├╝ler Stalins. Schulen und Universit├Ąten wurden marxistisch indoktriniert, es gab keine Presse-und Meinungsfreiheit.

Das Privateigentum auch kleiner Betriebe wurde abgeschafft, die Landwirtschaft kollektiviert, nichtkommunistische Organisationen wurden verboten, religi├Âse Gemeinschaften, insbesondere die katholische Kirche, grausam verfolgt; etwa 600 Priester und Ordensbr├╝der- und -Schwestern wurden w├Ąhrend des Krieges und danach umgebracht. Auf den perfiden Versuch des jugoslawischen Diktators, die katholische Kirche zu neutralisieren mit dem Ziel, dass diese sich von Rom trennt, gingen die kroatischen Katholiken nat├╝rlich nicht ein. Daraufhin wurde der Zagreber Erzbischof Alojzije Stepinac verhaftet und in einem Schauprozess zu 16 Jahre Kerker verurteilt. Danach verlieh ihm der Vatikan die Kardinalsw├╝rde. Stepinac starb im Hausarrest in seinem Heimatdorf Kra┼íi─ç und wurde im Zagreber Dom beigesetzt. Inzwischen ist er seliggesprochen worden.

Der Streit zwischen Stalin und Tito

Nur drei Jahre nach Kriegsende wollte Stalin Tito absetzen, weil er au├čenpolitische Ambitionen entwickelte, was Stalin nicht behagte. Tito wollte eine gro├če "Balkanf├Âderation" gr├╝nden, bestehend aus den jugoslawischen Teilrepubliken sowie Bulgarien und Albanien. Es kam zum Bruch zwischen Moskau und Belgrad. Fast ein Jahr lang versuchte Tito Genosse Stalin davon zu ├╝berzeugen, dass er ein treuer Kommunist sei, aber es gelang ihm nicht. Alle sowjetischen Versuche, Jugoslawien zu destabilisieren, scheiterten, nicht zuletzt auch deshalb, weil der Westen in die Bresche sprang und Titos Land wirtschaftlich, milit├Ąrisch und politisch wirksam unterst├╝tzte. Jugoslawien wurde sogar Mitglied eines "Balkan-Pakts" mit den NATO-Staaten Griechenland und T├╝rkei.

Der so genannte "Dritte Weg" Jugoslawiens

Erst danach entwickelten Jugoslawiens Kommunisten eine Ideologie des so genannten "Dritten Weges im Sozialismus", der gepr├Ągt war von der Arbeiterselbstverwaltung in den Betrieben sowie einer nicht gebundenen Au├čenpolitik. Beide Ans├Ątze waren halbherzig, da sie in einem totalit├Ąren System eingebunden blieben. Alle entscheidenden Beschl├╝sse kamen von der Partei- und Staatsspitze - von Tito und seinen engsten Mitarbeitern. Die Versuche von Milovan Djilas und sp├Ąter 1971 und 1972 von kroatischen und serbischen "liberalen" Kommunisten, das Parteimonopol zu brechen, scheiterten.

Die kroatischen Kommunisten gewannen seinerzeit sogar die Sympathie des Volkes wegen ihres Eintretens f├╝r die nationalen Belange, wurden aber genau deswegen von den Titoisten in den eigenen Reihen brutal abgesetzt. Tito und seine Anh├Ąnger in den Teilrepubliken blieben bis zuletzt der kommunistischen Ideologie verhaftet. Diese aber wurde in der Praxis lascher umgesetzt und war damit f├╝r die Menschen einigerma├čen ertr├Ąglich. Die B├╝rger Jugoslawiens hatten mehr (Halb)Freiheiten als diejenigen in anderen kommunistischen L├Ąndern. Sie konnten ins Ausland reisen und dort sogar Arbeit annehmen, die Lekt├╝re ausl├Ąndischer Publikationen und B├╝cher stand ihnen offen, die K├╝nstler konnten sich relativ frei ausdr├╝cken, ob im Jazz oder abstrakter Kunst, unorthodoxe Meinungen vertreten, wenngleich nur im kleinen Kreis, auch war die Gr├╝ndung kleiner Privatfirmen m├Âglich und vieles mehr. Jedoch war die Entwicklung Jugoslawiens ├╝ber Jahrzehnte von vielen halbherzigen Wirtschaftsreformen gekennzeichnet.

Jugoslawien als andauerndes Krisenland

Schlussendlich war Jugoslawien mit ├╝ber 35 Milliarden Dollar im Ausland verschuldet, und der Alltag wurde durch allgemeinen Warenmangel belastet. Dass es den Menschen in anderen Ostl├Ąndern weitaus schlechter ging, tr├Âstete sie wenig. Sie zogen eher Vergleiche mit den westlichen L├Ąndern - Italien, ├ľsterreich und Deutschland. Nur dank der Einnahmen aus dem Tourismus und der enormen von den Gastarbeitern ├╝berwiesenen Devisen konnte Jugoslawien seine Zinsen begleichen und den Lebensstandard halbwegs halten.

Im ├ťbrigen erhielt Titos Staat g├╝nstige Kredite, ja sogar Schenkungen aus dem Westen, um als Beispiel f├╝r die anderen kommunistischen L├Ąnder zu dienen. Der Erfolg blieb jedoch langfristig aus. Bereits einige Jahre vor Titos Tod wuchs die Unzufriedenheit der Menschen. Die drei S├Ąulen, auf die Jugoslawien sich st├╝tzte, begannen zu br├Âckeln. Nach dem Tod des charismatischen Staatschefs Tito ├╝bernahmen acht Nachfolger die Regierungsgesch├Ąfte, allesamt B├╝rokraten ohne jeden gesamtjugoslawischen Einfluss.

Die Partei entzweite sich in drei Fraktionen: die progressive (Slowenen und Kroaten), die repressive (Serben und Montenegriner) und die unentschlossene (Bosniaken und Mazedonier). Die "jugoslawische Armee" (immer reaktion├Ąr) wurde zunehmend mehr zu einer serbischen Armee. Unterdessen ver├Âffentlichte die Parteizeitung "Borba" ein halbfertiges "Memorandum der Serbischen Akademie der Wissenschaften und K├╝nste", in dem besondere Rechte f├╝r die - wie es darin hei├čt - "unterprivilegierte serbische Nation" gefordert wurden. Nach heftigen innerparteilichen K├Ąmpfen siegte in Serbien auf einem Parteikongress ein bis dahin wenig bekannter Funktion├Ąr namens Slobodan Milo┼íevi─ç. Er ├╝bernahm fast alle nationalistischen Forderungen aus den politischen und intellektuellen Kreisen, die dazu geeignet waren, die ├ťbermacht der Serben in ganz Jugoslawien nach altem Vorkriegsmuster erneut zu etablieren. Diese Entwicklung stie├č auf gro├čen Widerstand und ├ängste bei den Kroaten, Slowenen und den bosnischen Muslimen.

Jugoslawien geht seinem Ende entgegen

Auf dem letzten Kongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens 1988 wurde die gemeinsame Partei zerst├Ârt und die jugoslawische Armee durch und durch serbisch ausgerichtet. Es dauerte noch einige Monate, bis Milo┼íevi─ç auch die Autonomie des Kosovo und der Vojvodina abschaffte und die Parteif├╝hrung in Montenegro zum R├╝cktritt zwang. Slowenien und Kroatien wehrten sich entschieden, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina verhaltener. Es gab keine M├Âglichkeit, gesamt-jugoslawische Wahlen durchzuf├╝hren, und Parlamentswahlen fanden nur in einzelnen Teilrepubliken statt. In Slowenien, Kroatien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina siegten antikommunistische, teilweise nationalistische, Parteien.

Nur in Serbien und Montenegro blieben Postkommunisten die Sieger. Milo┼íevi─ç triumphierte, und es begann jener Krieg, den man im Westen f├Ąlschlicherweise "B├╝rgerkrieg" nennt, obwohl er ein Angriffskrieg der serbischen Kr├Ąfte war gegen Slowenien und Kroatien sowie gegen die Bosniaken und Kroaten in Bosnien-Herzegowina. Die Begr├╝ndung der serbischen Seite klang fadenscheinig: Die Serben au├čerhalb Serbiens seien von ihren Nachbarv├Âlkern bedroht und wollten daher in Jugoslawien und nicht in selbstst├Ąndig gewordenen fr├╝heren Teilrepubliken leben.

Kroatien und Slowenien wollen selbstst├Ąndig werden

Nach Meinung einer von der Europ├Ąischen Union eingesetzten Kommission unter der Leitung des ehemaligen Mitglieds des franz├Âsischen Verfassungsgerichts, Robert Banditer, ist Jugoslawien nicht durch die Sezession zugrunde gegangen, vielmehr durch innere Widerspr├╝che. Es war eine Implosion und nicht die Intervention durch Au├čenkr├Ąfte (Deutschland, ├ľsterreich, Vatikan usw.), wie die serbische Propaganda bis heute behauptet.


Der Krieg dauerte unterschiedlich lang: in Slowenien zwei Wochen, in Kroatien etwa f├╝nf Jahre. Dagegen ertrug ihn Bosnien-Herzegowina sechs lange Jahre und hatte am Ende mehr als 100 Tausend Tote zu beklagen; die materiellen Sch├Ąden wurden auf mehrere Milliarden gesch├Ątzt. In Kroatien verloren etwa 15 Tausend Menschen ihr Leben, 60 Tausend wurden verletzt. Kroatien hatte sich weitgehend allein von den serbischen Aufst├Ąndischen befreit, Ostslawonien integrierte sich auf friedlichem Wege. F├╝r die Kroaten gab es keinen Zweifel dar├╝ber, wer diesen Krieg, den man in Kroatien den Vaterlandskrieg nennt, gewollt und ausgel├Âst hat: n├Ąmlich Milo┼íevi─ç und die serbischen Nationalisten im Verbund mit ihren Satelliten in Kroatien.


Die Wirtschaft Kroatiens kam infolge des Krieges fast zum Erliegen. Es gab keinen Tourismus mehr, und gro├če Teile der Industrie und Landwirtschaft standen unter dem Beschuss serbischer Kanonen. Die materiellen Verluste wurden auf drei Milliarden Dollar gesch├Ątzt. Ganze St├Ądte, wie Vukovar an der Donau, wurden fast v├Âllig zerst├Ârt, andere stark besch├Ądigt, wie Dubrovnik, ┼áibenik, Zadar, Karlovac, Slavonski Brod, Osijek und weitere. Sogar die Hauptstadt Zagreb wurde beschossen.

Der schwere Weg Kroatiens zur Staatswerdung

In Kroatien sorgten nun die "Blauhelme" der Vereinten Nationen (UNPROFOR) f├╝r Frieden, ihre Mission erf├╝llten sie aber nicht ganz. Zwar hatten sie den Krieg beendet, jedoch die serbischen Paramilit├Ąrs nicht entwaffnet. 200 Tausend kroatische Fl├╝chtlinge konnten nicht heimkehren. Die Kroaten f├╝rchteten eine "Zyprisierung" ihres Landes, n├Ąmlich die Teilung in einen kroatischen und einen serbischen Teil. Dieser nannte sich fortan "Republik der serbischen Krajina", wurde jedoch von niemand anerkannt, nicht einmal von Belgrad selbst. In zwei milit├Ąrischen Aktionen endete dieser Spuk in kurzer Zeit und das mit stillschweigender Zustimmung der Amerikaner.

Die kroatische Armee hatte dabei ihre "Arbeit" korrekt erledigt, was man von den nachr├╝ckenden Einzelk├Ąmpfern leider nicht sagen kann. Ihre Untaten wurden sp├Ąter vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als "Kriegsverbrechen" gebrandmarkt. ├ťber dieses Kapitel herrscht in Kroatien eine geteilte Meinung. F├╝r die einen waren es Kriegsverbrechen, f├╝r die anderen "Verbrechen im Krieg". Die kroatische Justiz hat mehrere hohe Offiziere, sogar Gener├Ąle, verurteilt. Die volle Verantwortung f├╝r den Untergang der so genannten "Serbischen Republik Krajina" lag dennoch bei Milo┼íevi─çs Regime und seinen lokalen serbischen Fanatikern, die dem "Schl├Ąchter vom Balkan" vertraut hatten.

Einer der F├╝hrer der kroatischen Serben, Milan Marti─ç, hat vor seiner Verurteilung in Den Haag die Kroaten um Verzeihung gebeten und sich einige Wochen sp├Ąter umgebracht. Auch der Hauptschuldige in dem post-jugoslawischen Drama, Slobodan Milo┼íevi─ç, starb in Den Haag vor seiner Verurteilung. Demgegen├╝ber haben die Haager Richter in zweiter Instanz die beiden kroatischen Gener├Ąle Ante Gotovina und Mladen Marka─Ź f├╝r unschuldig erkl├Ąrt und damit auch die damalige kroatische Politik gegen├╝ber den einheimischen Serben als rechtens bewertet. Zu einem gegenteiligen Urteil kamen sie bei sechs beschuldigten kroatischen Funktion├Ąren aus Bosnien-Herzegowina. Es besteht jedoch die Aussicht, dass auch sie in zweiter Instanz freigesprochen werden.

Kroatien - ein ganz normaler Staat mit Fehlern

Die ersten Wahlen in Kroatien vor 22 Jahren waren reibungslos verlaufen. Zahn Jahre lang herrschte unangefochten der politisch eigenwillige Pr├Ąsident Franjo Tu─Ĺman, was sich im Krieg und den Wirren der Nachkriegsjahre nicht selten als Vorteil erwies. Andererseits wurde unter seiner Herrschaft eine teilweise kriminelle Privatisierung durchgef├╝hrt, nicht wesentlich anders als in den ├╝brigen ehemaligen kommunistischen L├Ąndern. Weder er noch seine Leute waren auf die schweren postkommunistischen Zeiten ad├Ąquat vorbereitet. Die letzten f├╝nf Jahre seiner Pr├Ąsidentschaft wurden durch manche unkluge Entscheidungen belastet. Dazu m├Âgen sein prek├Ąrer Gesundheitszustand als auch seine intriganten Ratgeber beigetragen haben. Nach seinem Tod verlor seine Partei, die HDZ, die Wahlen.


Die nachfolgende Sechs-Parteien- Regierung unter F├╝hrung des Sozialdemokraten Ivica Ra─Źan brach zwar wegen innerer Streitigkeiten vor Ende seines Mandats auseinander, sie erf├╝llte jedoch alle Forderungen aus Br├╝ssel ohne Widerspruch. Diese Tatsache wurde dann als endg├╝ltige Hinwendung Kroatiens zur Europ├Ąischen Union "verkauft". Diese Regierung verlor trotzdem die Wahlen zugunsten der konservativen HDZ mit dem damals als modern und zukunftsorientiert Ministerpr├Ąsidenten Ivo Sanader an der Spitze bezeichneten. Er wiederholte die Politik Tu─Ĺmans zwar nicht, betonte aber immer wieder die Bedeutung seines Vorg├Ąngers als gro├če historische Pers├Ânlichkeit, dem als Gr├╝nder des Staates Anerkennung und Achtung geb├╝hrt. Damit dr├╝ckte er auch die Meinung der ├╝berwiegenden Zahl der Kroaten aus, die allerdings weitaus st├Ąrker mit ganz anderen Problemen besch├Ąftigt waren und sind. Sie verlangen mehr Arbeitspl├Ątze, bessere L├Âhne, eine gute Ausbildung f├╝r ihre Kinder, eine bessere Gesundheitsvorsorge - eben alles das, was sich die Menschen auch in den westlichen Staaten w├╝nschen.

In der Au├čenpolitik verbuchte Kroatien unter Sanader einige Erfolge. Der Eintritt in die NATO und eine weitere Ann├Ąherung an die EU geh├Âren dazu. Allerdings trat Sanader ohne Begr├╝ndung von allen seinen ├ämtern zur├╝ck. Seine Nachfolgerin wurde Jadranka Kosor. Sie konnte einige au├čenpolitische Erfolge im Streit um kleine Grenzkorrekturen mit Slowenien f├╝r sich verbuchen. Au├čerdem legte sie auch eine starke Betonung auf die Korruptionsbek├Ąmpfung, was sich jedoch als Bumerang erwies: Die Mehrzahl der wegen Korruption Beschuldigten stammt aus ihrer eigenen Partei HDZ. Erneut an die Macht gekommen sind fr├╝here Koalition├Ąre aus der sozialdemokratischen und liberalen Partei sowie zwei kleineren Parteien unter F├╝hrung des jungen und unerfahrenen Zoran Milanovi─ç. Auch diese Regierung hat bis jetzt keine besonderen Erfolge vorzuweisen, au├čer dass sie den B├╝rgern finanzielle Belastungen aufb├╝rdete. Doch sollte auch dieser Koalition die zweij├Ąhrige Bew├Ąhrungszeit zugestanden werden.

Literatur, die zum besseren Verst├Ąndnis Kroatiens beitragen kann:

Jagoda Marini─ç: Gebrauchsanweisung f├╝r Kroatien, Piper Verlag, M├╝nchen, 2013
Claus Heinrich Gattermann: Kroatien / Zweitausend Jahre Geschichte an der Adria, Verlag OLMS, Hildesheim, Z├╝rich, New York 2011
Ludwig Steindorff: Kroatien, Verlag Pustet, Regensburg, 2001
Jane Oliver: Kroatien , Verlag Mairdumont, Ostfildern, 2007
Reisef├╝hrer: Kroatien, Verlag DuMont, K├Âln, 2000
Reisef├╝hrer: Die Kroatische Adria, Verlag Naprijed, Zagreb, 1998
Kirchner, Poteschil, Rieder, Z├Âlch, Kroatien entdecken, Trescher Verlag, Berlin 2003
Uwe Mauch: Zagreb entdecken, Trescher Verlag, Berlin, 2007
Alida Bremer (Hrsg): Jugoslawische (Sch)erben, Fibre Verlag, Osnabr├╝ck, 1993
Ramet, Clewing, Luki─ç (Hrs.): Croatia since Independence, Oldenbourg Verlag, M├╝nchen, 2008
Tvrtko P. Soj─Źi─ç: Die "L├Âsung" der kroatischen Frage zwischen 1939 und 1945, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2008

 

 

 

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